Martin Siedler – der Mann im Hintergrund von Viola Amherd

photo: Keystone - Peter Klaunzer
photo: Keystone - Peter Klaunzer

Persönlichkeit mit Stil

Ich habe mich verlaufen und das ausgerechnet im Bundeshaus! Inmitten von grossen Türen und langen Gängen sahen einfach alle Richtungen zum Verwechseln ähnlich aus. Leise ums Eck kam mir Martin Siedler zu Hilfe, rechtzeitig am richtigen Videodreh mein Werk zu vollbringen. Es ist immer wieder schön, wenn freundliche Menschen im Hintergrund mit Rat und Tat behilflich sind. Sein Kleidungsstil und vor allem sein stilvolles Verhalten sind mir in Erinnerung geblieben. Nach dem SRF-Dok über Viola Amherd vom vergangenen Januar, welcher ich euch übrigens sehr empfehlen kann, bekam er viele Interviewanfragen, wobei er nur zwei zugesagt hat. Deshalb freut es mich umso mehr, dass er auch mir eine positive Antwort gegeben hat.

 

Martin, du bist ehemaliger Schweizergardist und Bundesratsweibel im VBS. Was für Fähigkeiten brauchst du, nebst deinen fachlichen Qualifikationen, um so einen Job ausüben zu können?

Ich brauche nebst meinem hohen persönlichen Engagement viel Diskretion und Loyalität. Ausserdem ist ein ausgeprägtes Dienstleistungsbewusstsein für diesen Job elementar wichtig. Das Bewusstsein, dass zwischen mir und meiner Chefin eine Abhängigkeit besteht und die Bereitschaft, die Prozesse unter Berücksichtigung der speziellen Rahmenbedingungen für meine Chefin optimal zu gestalten, dass motiviert mich sehr. Ausserdem immer ein offenes Ohr zu haben und mich voll auf ihre Bedürfnisse einzulassen. Da fragt man nicht, ob man nächste Wochen einen Tag frei nehmen kann, da hat man frei, wenn sie frei hat. Punkt.

 

Entsteht eine Art «Freundschaft», wenn du dich in den Dienst einer Person stellst?

(Martin lacht) – Der Diktionär Schweizerdeutsch-Walliserdeutsch, welcher mir meine Chefin zu Weihnachten geschenkt hat, hat mir geholfen sie besser zu verstehen. Aber ernsthaft, wir haben einen respektvollen und sehr professionellen Umgang miteinander. Unser Humor kommt aber zum Glück nie zu kurz, wir lachen oft zusammen. Diese Eigenschaft schätze ich an meiner Chefin besonders.

 

Wie sieht dein Alltag aus, was ist für viele andere Menschen absolut nicht alltäglich?

Mein Alltag sieht nicht anders aus als von vielen anderen Menschen in der Schweiz auch. Höchstens, dass unsere Mittagspause oft nur 15 Minuten dauert. Ansonsten sind es lange Tage mit vielen Sitzungen und Akten. Ich habe einmal ausgerechnet, dass in einer normalen Woche circa 1.5 Meter normale, interne, vertrauliche und geheime Akten den Weg ins Büro von Viola Amherd finden. Diese gehen über mein Pult in ihr Büro und kommen auch oft dorthin zurück. Meine Ordentlichkeit ist da umso wichtiger.

Ich organisiere mich gut und denke oft – militärisch gesehen –  zwei Geländekammern weiter, damit ich schnell reagieren kann. An einem gewöhnlichen Morgen begrüssen mich meine «20 roten Häckli im Outlook» - (wie Martin seine Aufgabenliste nennt) – Ein Häckli davon ist zum Beispiel, dass das Luftwaffenhandy immer einsatzbereit ist. Denn bei einem Notfall muss sekundenschnell reagiert werden können, da kann es um Menschenleben gehen. Trotzdem versuche ich nicht verbissen zu sein und nehme vieles – nach 8 Jahren in dieser Funktion – mit einer Prise Humor. Zum Bespiel wenn ich Visagistinnen sehe, die sich im Bundeshaus verirren (lacht).

 

Martin postet immer wieder mal die schönen Sonnenauf- oder Untergänge mit Blick aus dem Bundeshaus auf seinem Instagram (tinuvoncatan) und hat mir dazu gesagt: «Wenn die Sonne so hell leuchtet, wirft sie umso grösseren Schatten. » Das ist bei meinem Job auch so, obwohl ich ihn sehr mag.

 

So denken wir doch ab und an, an den Herrn im Hintergrund im Bundeshaus mit seiner Gelassenheit und Ruhe, sprich «Was würde Martin tun?», wenn wir wieder mal mit unseren «Alltagssörgeli» und deren Tragweite beschäftigt sind und diese vielleicht durchaus etwas relativieren könnten.

 

Herzlich, Fabienne

 

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