FührungsSTIL von einem "Möglichmacher" - Blog 9/9

photo: Sandro Gerber
photo: Sandro Gerber

"Persönlichkeit" mit Stil

Viele Jahre ist es her, dass Sandro Gerber und ich das erste Mal aufeinandergetroffen sind. Im geschäftigen und hektischen Geschehen am SEF, dem Swiss Economic Forum in Interlaken, ist mir seine freundliche, höfliche Art und vor allem seine nicht aufdringlich wirkende Persönlichkeit sogleich positiv aufgefallen. Mein erster Eindruck von ihm ist mir bis heute gut in Erinnerung. Kein Hervordrängen oder Hervorheben seiner bedeutenden beruflichen Position oder gar seines Titels. Der Mensch stand im Vordergrund. Seither entwickelte sich über die Jahre ein freundliches Miteinander und ein ungezwungener regelmässiger Austausch, ohne zielorientierter Netzwerkgedanke. So kam es, dass ich Sandro eines Tages beraten durfte, wie er auch über sein äusseres Erscheinungsbild und durch nonverbale Kommunikation noch besser wirken kann. Gerade im Umgang mit seinen Mitarbeitenden, wenn er auch visuell Nahbarkeit vermitteln möchte. Und zudem habe ich dabei auch noch, sagen wir mal mit meiner diplomatischen Art und Weise, seine, nun ja, etwas in die Jahre gekommenen Krawatten, aufgefrischt und somit seiner Garderobe ein frisches Update verpasst. 

 

Sandro Gerber vermittelt für mich einen Mix aus Kompetenz und Standhaftigkeit, ohne eine freundliche Nahbarkeit und Offenheit seinem Umfeld gegenüber zu vernachlässigen. Egal welche Geschäfte, Probleme oder gar Krisen ihn gerade auf Trab halten, stets nimmt er sich kurz Zeit, hat ein offenes Ohr für einen und zeigt Verständnis oder hat sogar einen Ratschlag bereit, der einem weiterhelfen kann. So habe ich bereits viel von ihm lernen dürfen. Wenn ich nicht meine eigene Bossin wäre, sein Führungsstil und die Werte, wofür er steht, wären diejenigen, die ich mir von einem Vorgesetzten, egal ob Frau oder Mann, wünschen würde. Eine Leaderin oder einen Leader mit einem menschorientierten FührungsSTIL, der nicht nur visuell und nonverbal stilvoll Wirkung erzeugt, sondern Menschen dazu animiert und motiviert, aus und mit ihrem eigenen Tun und Handeln selber eine bestmögliche Wirkung zu erzielen. 

 

In meinem heutigen letzten Blog, der meine vorläufig erste Serie abschliesst, möchte ich für einmal nicht meine eigene, sondern die Sicht von einem anderen Menschen aus meinem Umfeld, der mein Vertrauen und meine Wertschätzung geniesst (und umgekehrt, vielen Dank, Sandro!), weitergeben. Ich habe deshalb Sandro gefragt, was für ihn ein guter FührungsSTIL ausmacht, gerade in so anspruchsvollen Zeiten, wie dieser coronazy -mässigen Krise: 

 

«Aus meiner Sicht, der Sicht eines CEO, beginnt ein guter und somit wirksamer Führungsstil vereinfacht gesagt damit, eher ein guter Gastgeber als ein glanzvoller Held zu sein. Ein Gastgeber, der sich darauf konzentriert das Feuer, das volle Potential seines Umfelds zu bewirten und ergebnisorientiert wirken zu lassen.

 

Der CEO muss deshalb erst einmal lernen zu vertrauen, an seine Leute zu glauben und ein Möglichmacher statt ein Genie für alles sein. Das braucht viel Mut und auch Raum für Fehlertoleranz, zumindest für die einmaligen Fehler. 

 

Ein Möglichmacher setzt sich für eine Kultur ein, die an das Prinzip glaubt, dass die Leute grundsätzlich einen guten Job machen und dazu lernen wollen. Und obwohl ein guter Führungsstil auch ein wirksames Kontrollsystem voraussetzt, muss für die Menschen ein ausgeglichenes Umfeld von produktiver Autonomie geschaffen werden. Denn um richtig produktiv zu sein, brauchen Menschen Kopf- und Bewegungsfreiheit.

 

In einem langfristig angelegten Führungsstil ist es daher ebenso wichtig, so wenig eigene Entscheidungen wie möglich zu treffen. Dafür sich umso mehr für eine konzentrierte Unterstützung einzusetzen, Menschen zu aktivieren und zu inspirieren. Dies, ohne das Gefühl zu geben, dass sich jemand unterstützen lassen muss. Empathie, aktives Zuhören, engagiertes Feedback, Sinnhaftigkeit vermitteln, Glaubwürdigkeit vorleben und Vertrauen geben sind wichtige Elemente eines guten Führungsstils. 

 

Und trotzdem darf ein Möglichmacher auch stören und herausfordern, ja er muss sogar den Status Quo regelmässig hinterfragen, innovativ denken und experimentieren. Ein guter Führungsstil hält das Geschäft unter Einbezug der Organisation agil. Denn insbesondere auch um neue Wachstumschancen zu schaffen, braucht eine leistungsstarke Organisation die Fähigkeit, traditionelles Wissen zu hinterfragen und kreative neue Möglichkeiten zu entdecken. 

 

Im Fachlatein zusammengefasst setzt sich ein guter wirkungsorientierter Führungsstil für eine Kultur von konstruktivem Engagement ein, in der stets eine ausgewogene Befähigung und Entwicklung der Menschen im Vordergrund steht. Dies in einem möglichst wertorientieren Umfeld und auf der Basis einer nachhaltig angesetzten wie auch lösungsorientierten Zusammenarbeit. 

Und obwohl die Technologie heute Informationen für alle zugänglich macht und eine hierarchische Anleitung oder die zentrale Erteilung von Aufträgen dadurch ineffektiv wie auch ineffizient geworden sind, braucht eine Organisation eine strukturierte, gesund proportionierte, inspirierende Begleitung und wertschätzende Unterstützung. In einer diesbezüglich ausgereiften Unternehmenskultur muss sich niemand aufdrängen, sondern die Menschen kommen vermehrt von selbst und fragen befähigt nach Unterstützung.

 

Hierzu noch ein erster Tipp:

Wie bereits erwähnt ist es wichtig, dass niemand denkt, zu einer Unterstützung gezwungen zu werden. Soll eine Unterstützung aktiv angeboten werden, ist es besonders wichtig, von Anfang an konkret zu formulieren, welche Unterstützung zu welchem Ergebnis angeboten werden kann. Niemals darf Unterstützung oder generische Beihilfe angeboten werden, weil es der Vorgesetzte ist, am Menschen gezweifelt wird oder vermeintlich ein Wissen von früheren Fällen mit gleichen Problemen und ähnlicher Organisation aus einer langjährigen Karriere vorhanden ist. Nebst dem, dass keine Situation wie eine andere ist, die Geschwindigkeit des Wandels und die globale Vielfalt enorm sind, stört so etwas ganz einfach das Vertrauen in einer Beziehung und verunmöglicht ein effektives gemeinsame Weiterkommen.

 

Mein zweiter Tipp: 

Je nachdem verschieben sich in schwierigen Zeiten oder Krisen die Gewichte einiger der genannten Charakteristiken. Es könnten beispielsweise schneller mehr Entscheidungen gefragt sein. Ein guter Führungsstil erkennt dies frühzeitig und stellt sich darauf ein. Aufgepasst, besonders auch in schwierigen Zeiten kann eine hierarchische Anleitung an Menschen oder an eine Organisation als sehr ärgerlich, verletzend oder auch missgünstig empfunden werden. Schlechte Führungsstile erkennt man in solchen Situationen daran, dass mittels jemandem Angst machen oder mit Einschüchterung vorgegangen wird. 

 

Ein guter Führungsstil ist eine Reise, kein Reiseziel.»

 

Dem füge ich an: Gute Reise, lieber Sandro, in Deiner künftigen, neuen beruflichen Position, und danke für Deine wertvollen Zeilen und Gedanken. Sandro orientiert sich ab dem 1. Mai 2020 beruflich neu.

 

Herzlich, Fabienne

 

Blog Extra - Resümee zu meiner ersten Blog-Serie inkl. Frauen-Versteher-Blog - erscheint bald

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